22.8 C
Nürnberg, DE
October 6, 2026
Austria Cultură

Zwischen Klang und Sehnsucht – ein Stück Rumänien in Wien

Eine Hommage an Maria Tănase im Wiener Konzerthaus

Am Sonntag, dem 4. Oktober 2026, war der Schubert-Saal des Wiener Konzerthauses voll besetzt. Das Konzert „Maria Tănase – Die Seele Rumäniens“ mit der Mezzosopranistin Meda Topîrceanu und dem Constantin Mirea Quartett brachte Lieder auf die Wiener Bühne, in denen Rumänen ihre Sehnsucht, ihre Lebensfreude und ihre Sicht auf die Welt wiedererkennen. Für den Organisator bestätigte der große Publikumszuspruch das Vertrauen in das Projekt; für die Zuhörer wurde der Abend zu einer Begegnung mit einem musikalischen Erbe, das bis heute berührt.

In einer Stadt mit einem so reichen Musikleben gewinnt ein solcher Abend seinen Platz durch die Qualität des künstlerischen Konzepts und durch die Kraft, Menschen zusammenzubringen. Das ausgewählte Repertoire verband die Erinnerung an eine große Sängerin mit der Empfindsamkeit heutiger Musiker – in einem Rahmen, der der rumänischen Musik besondere Aufmerksamkeit verschaffte.

Das Verdienst dieser Initiative gebührt Thomas Martin Emmerling, dem Organisator und Moderator des Konzerts. Hinter dem sichtbaren Moment der Eröffnung steht bei einer solchen Veranstaltung die Abstimmung mit Künstlern und Partnern ebenso wie die Arbeit, das Publikum zu erreichen. Der Erfolg ist auch dieser Arbeit zu verdanken: Das Projekt gelangte auf die Bühne einer bedeutenden Musikinstitution und fand einen Saal voller Menschen, die es erleben wollten.

Als Kulturmanager, der sich für die bildende und die darstellende Kunst einsetzt, hat der Organisator seine Wertschätzung für das rumänische Kulturleben auch öffentlich zum Ausdruck gebracht. In einem Beitrag über das Konzert der Solistin im Bukarester Dalles-Saal zu Beginn dieses Jahres nannte er den kulturellen Reichtum Bukarests als einen der Gründe, weshalb er sich für ein Leben in Rumänien entschieden habe. Die Wiener Initiative gab dieser Wertschätzung eine konkrete Gestalt: die Begegnung der Künstler mit einem Publikum außerhalb Rumäniens.

Die Eröffnung hatte eine persönliche Note. Der Gastgeber begrüßte die Besucher, dankte den Partnern und Mitwirkenden und skizzierte kurz die Biografie der Sängerin, der dieser Abend gewidmet war. Anschließend bat er Andrea Amza-András, die Geschäftsträgerin a. i. Rumäniens in der Republik Österreich, sowie Veronica Schmidt, Vizepräsidentin des Vereins Friends of Visual Arts, ans Mikrofon. Beide richteten einige Worte an das Publikum.

Friends of Visual Arts wird im offiziellen Programm des Wiener Konzerthauses als Veranstalter geführt; dort ist auch die Unterstützung durch Veronica Schmidt vermerkt. Zur Bekanntmachung des Konzerts trugen die rumänische Botschaft in Wien, das Rumänische Kulturinstitut Wien, die Österreichisch-Rumänische Gesellschaft in Wien und RTV Unirea International-Austria bei. Diese Beiträge verdienen Anerkennung in ihrer jeweiligen Funktion: Die Organisation bringt das Projekt auf die Bühne, die mediale Begleitung macht interessierte Zuhörer darauf aufmerksam.

Maria Tănase hinterließ ein Repertoire, in dem Zartheit und Kraft, Melancholie und Humor oft innerhalb derselben musikalischen Phrase einander begegnen. Ihre Lieder bewahren Ausdrucksweisen, Rhythmen und Nuancen einer rumänischen Lebenswelt, die auch aus der Ferne vertraut bleibt. In Wien gehört, erhalten sie eine zusätzliche Bedeutung: Sie lassen Erinnerungen näher rücken, die in Familien, in Aufnahmen und in persönlichen Erfahrungen weiterleben.

Nicolae Iorga nannte sie „Pasărea măiastră“ – den Wundervogel der rumänischen Überlieferung. Dasselbe Bild erscheint in den Constantin Brâncuși zugeschriebenen Worten: „Für jedes unserer Lieder könnte ich eine Pasărea Măiastră in Stein hauen.“ Beide Würdigungen bewahren den Nachhall einer Stimme, die auch Kulturschaffende außerhalb der Musikwelt beeindruckte. In ihnen wird der Gesang zu einer Schönheit, die der Historiker erkennt und der Bildhauer in einer Skulptur verkörpern möchte.

Meda Topîrceanu näherte sich diesem Erbe mit ihrer eigenen künstlerischen Empfindsamkeit. Ihre Erfahrung als Schauspielerin, Sängerin und Fernsehpersönlichkeit gab ihr die Mittel für eine ausdrucksstarke Bühnenpräsenz, bei der jedes Lied auch eine Geschichte erzählt. Die Wärme ihrer Interpretation eröffnete einen Zugang zu diesem anspruchsvollen Repertoire, ohne dass die eigene Persönlichkeit der Künstlerin hinter dem großen Vorbild zurücktrat.

Ihre Absicht findet sich in einer Aussage aus der Vorstellung des Projekts: „Maria Tănase ist eine der lebendigen Wurzeln des rumänischen Kulturerbes.“ Das Wort „lebendig“ beschreibt die Richtung der Darbietung: Ein Erbe besteht auch dadurch fort, dass andere Künstler es interpretieren, verstehen und weitergeben.

Das angekündigte Programm umfasste „Mi-am pus busuioc în păr“, „Până când nu te iubeam“, „Lume, lume“ und „Ciuleandra“. Die Arrangements und Orchestrierungen von Ioan Dobrinescu eröffneten eine zeitgemäße Lesart des Repertoires. Hinter jedem vertrauten Lied steht damit eine musikalische Gestaltung, die Stimme, Instrumente und den Ausdruck des Textes miteinander verbindet.

Das Quartett spielte bei dieser Gestaltung eine wesentliche Rolle. Der Dialog mit der Solistin verlieh der Darbietung Zusammenhalt und Substanz; der Beitrag der Musiker verdient eine eigene Würdigung. Ein solches Konzert schöpft seine Kraft aus dem Zusammenspiel der Interpreten und daraus, wie jeder von ihnen an derselben musikalischen Erzählung mitwirkt.

Dabei besteht auch eine unmittelbare Verbindung zu der Geschichte, an die der Abend erinnerte. Constantin Mirea Jr. ist der Enkel des Geigers und Dirigenten Constantin Mirea, der die berühmte Sängerin begleitete. Diese Kontinuität wurde auch in der Einführung auf der Bühne angesprochen. Dabei erzählte der Organisator von der geerbten Geige des Interpreten, ihrer Verbindung zu Wien und ihrer Datierung auf das Jahr 1750. Die Geschichte des Instruments verband die Erinnerung der Musikerfamilie mit der Stadt, in der dieser Abend stattfand.

Der Geiger absolvierte das Musiklyzeum „George Enescu“ und die Nationale Musikuniversität Bukarest und entwickelte seinen eigenen künstlerischen Weg in der klassischen Musik und im Jazz. Zum familiären Erbe kommen Ausbildung und Konzerterfahrung hinzu. Kontinuität erhält damit einen konkreten Sinn: Ein Instrument lässt sich weitergeben; die Kunst, ihm eine Stimme zu verleihen, muss erlernt und erarbeitet werden.

Im Publikum waren Persönlichkeiten des in Wien lebenden rumänischen Kultur- und Geisteslebens vertreten, Menschen, die sich für die Kulturarbeit der Gemeinschaft einsetzen, sowie Rumänen, die sich als Besucher oder aus beruflichen Gründen in der österreichischen Hauptstadt aufhielten. Unterschiedliche Lebenswege fanden hier einen gemeinsamen Bezugspunkt. Für Menschen, die fern ihrer Herkunft leben, kann ein Lied eine innere Verbundenheit bewahren, die sich im Alltag manchmal nur schwer in Worte fassen lässt.

Das Publikum trug durch den Kauf der Eintrittskarten und durch seine Anwesenheit ganz konkret zum Erfolg bei. Der voll besetzte Saal stand für eine persönliche Entscheidung jedes einzelnen Besuchers: der rumänischen Musik Zeit, Aufmerksamkeit und Vertrauen zu schenken. Auch dieser Beitrag verdient es, im Dank nach dem Konzert seinen Platz zu finden.

Wir danken Thomas Martin Emmerling für seine Initiative und für die Verantwortung, die er bei der Verwirklichung dieser Veranstaltung übernommen hat. Unser Dank gilt Meda Topîrceanu für die Empfindsamkeit ihrer Interpretation, dem Constantin Mirea Quartett für die musikalische Qualität des Abends und den Partnern, die dazu beitrugen, dass das Projekt sein Publikum erreichte.

Was bleibt, ist das Bild eines voll besetzten Saals und eines musikalischen Erbes, das für einen Abend auf einer Wiener Bühne seine Stimme fand. Zwischen Lied und Zuhörer fand die Sehnsucht ihren Platz. Die Freude über diese Begegnung gehört allen, die sie möglich gemacht haben.

Ioan Godja – RTV Unirea International

Österreich, 5. Oktober 2026

Related posts

Sesiunea de finanțare de la Departamentul pentru Românii de Pretutindeni continuă!

Lucian Valean

Cu prilejul prăznuirii anuale a Sfântului Ierarh Martir Antim Ivireanul, ca ocrotitor spiritual al Râmnicului vă invităm la manifestările prilejuite de Zilele Bibliotecii Județene „Antim Ivireanul” Vâlcea și ale Fundației Culturale „Sfântul Antim Ivireanul“ 21 – 25 septembrie 2026

Ion Marius Tatomir

Profesia în armonie cu pasiunea

Ion Marius Tatomir

DIALOGURI EMINESCIENE

Ion Marius Tatomir

CULTURĂ PENTRU SUFLET, EMOȚII, ÎNCÂNTARE

GT Post

Haina nouă a proverbelor româneşti

Ion Marius Tatomir

Acest site web folosește cookie-uri pentru a vă îmbunătăți experiența. Vom presupune că sunteți de acord cu acest lucru, dar puteți renunța dacă doriți. This website uses cookies to improve your experience. We'll assume you're ok with this, but you can opt-out if you wish. Accept Read More

Privacy & Cookies Policy